Der Artikel könnte auch „Wenns mal wieder länger dauert“ heissen und befasst sich mit der Frage „Was machen Missionare eigentlich den lieben langen Tag?“. Im Vorfeld habe ich schon gehört, dass hier manche Dinge einfach mehr Zeit in Anspruch nehmen. Jetzt hab ich´s selbst mal erlebt.
Doch bevor ich zur Hauptgeschichte komme, hier sozusagen ein kleiner Vorgeschmack.
Vor einiger Zeit beschlossen wir für das House of Prayer einige Fackeln zu kaufen. Wir dachten es wäre nett, wenn wir diese am Gartenzaun anbringen und immer wenn Gottesdienst oder Gebet ist entsprechend anzünden. Die Fackeln zu finden war gar kein Problem. Auf die Frage allerdings, wo wir denn Öl für die Fackeln finden würden, wusste die Verkäuferin keine Antwort. Also habe ich eine Tour durch mehrere Märkte unternommen nur um die immer gleiche Antwort „Don´t have.“ zu bekommen. Norbert gab mir schließlich den Tipp, dass in der Zufahrt zu einer nahe gelegenen Wohnsiedlung nachts Fackeln brennen. Also bin ich mit dem Motorrad hin gefahren um den Wachmann zu interviewen. Nach einigem hin und her und mehreren Telefonaten stellte sich heraus, dass sie einfach Diesel für die Fackeln benutzen, sozusagen kleine Molotowcocktails. Diese Aktion hat mich über mehrere Tage immer wieder beschäftigt. Ein Einzelfall? Wohl kaum.
Das bringt mich zur Hauptgeschichte des Artikels.
Donnerstag: Vor zwei Wochen hörte ich die Wasserpumpe im Garten jämmerlich vor sich hin arbeiten. Als ich mir das Ding näher ansah spritzte das Wasser aus allen Dichtungen der Pumpe. Also Pumpe abgeschaltet, mit Norbert beraten und dann zum Büro unserer Wohnsiedlung gefahren. Dort wurde mir versichert, dass in fünf Minuten jemand käme um das Problem zu beheben. Und tatsächlich kam sofort ein freundlicher Mitarbeiter der mir erklärte er könne das Problem nicht beheben. Also wieder ins Büro. Dort erhielt ich nach einigem Nachfragen den Tipp am nächsten Morgen in den Nachbarort zu fahren, dort gäbe es ein Fachgeschäft.
Freitag: Wie beschrieben fand ich den Laden, der mir auch sofort einen Mitarbeiter mitschickte. Dieser zerlegte die Pumpe und dichtete sie so gut er konnte neu ab, da es sich bei der Pumpe um ein älteres Modell handle und das nötige Ersatzteil nicht mehr zu bestellen wäre. Als Dolmetscher hatte ich meine Thailehrerin via Telefon mit einbezogen. Am Nachmittag sah es schließlich so aus als würde die Pumpe funktionieren.
Samstag: Wieder kein Wasser aus der Leitung. Ein Blick auf die Pumpe, undicht. Also ab auf das Motorrad Richtung Pumpenladen. Diesmal kam der Mitarbeit nach ca. einer Stunde und zerlegte die Pumpe erneut. Gegen Mittag zog er noch seinen Kollegen hinzu. Dieser war zwar ziemlich jung, schien aber der Fachmann für die “schwierigen” Fälle zu sein. Am späten Nachmittag war der Fehler scheinbar gefunden und die Pumpe wurde vorläufig wieder zusammen gebaut. Am Montag sollten dann die Abschlussarbeiten erfolgen. Dank Telefonübersetzung wurde mir aber gesagt, dass ich die Pumpe ohne Probleme benutzen könne. Die Techniker hatten zu dem die Ventile an den Zuleitungen anders als bisher eingestellt, da unser Wasservorratstank komplett trocken war. Dieser füllte sich nun, perfekt. Am Abend dann unter der Dusche ließ der Wasserdruck wieder nach, natürlich die Pumpe.
Sonntag: Hier arbeiten ja viele Geschäfte am Sonntag, aber halt nicht der Pumpenservice. Also warten bis Montag.
Montag: Wieder den Techniker geholt. Dieser sagte mir dann gegen Mittag man müsse den fehlerhaften Pumpendeckel austauschen. Ich hielt das für eine echt gute Lösung. Allerdings offenbarte er mir, dass das Teil schwer zu kriegen sei und ich es selber besorgen müsse. Nett. Zum Glück war an diesem Tag ein thaisprechender Bekannter hier, der mit mir auf dem Motorrad die entsprechenden Fachgeschäfte in der Stadt abklapperte. Und welch ein Segen, der vierte oder fünfte Shop hatte genau noch eines dieser Ersatzteile auf Lager. Vermutlich das letzte in der Stadt. Also den Pumpenfachmann angerufen. Der tauschte am Nachmittag das Teil und zum ersten Mal machte die Pumpe einen guten Eindruck. Alle waren glücklich.
Etwas später genoss ich eine erfrischende Dusche und merkte wie der Wasserdruck weniger wurde. Also meinen Bekannten gebeten nochmals den Pumpenmann anzurufen. Dieser kam auch nach 20 Minuten und war erstmal ratlos. Dann stellte er fest, dass das Ansaugventil aus dem Wassertank durch die längere Trockenheit aufgrund der falsch eingestellten Ventile beschädigt wurde. Also fuhr er los um hierfür ein neues Ventil zu finden. Am frühen Abend war dieses ausgetauscht und die Pumpe funktionierte.
Heute: Nach der genannten Aktion funktioniert die Pumpe wirklich. Der ganze Spaß inkl. Arbeitszeit und Ersatzteilen hat keine 30,- € gekostet. Das ist die gute Seite.
Aber es ist wirklich so wie man sich erzählt, alltägliche Dinge nehmen hier viel mehr Zeit in Anspruch als in good old Germany.
Einer von Norberts Vorbildern hat mal gesagt: „Mission ist Gemeindebau unter erschwerten Bedingungen.“ Soweit ich das beurteilen kann hat er den Nagel damit auf den Kopf getroffen.